Accomplice-Weblog
Der Fachkräftemangel im Bankensektor ist längst kein vorübergehender Engpass mehr, sondern entwickelt sich zum strukturellen Normalfall. Studien zeigen, dass rund 62 Prozent der befragten Führungskräfte bis 2030 von mindestens zehn Prozent unbesetzten Stellen ausgehen – mit Spitzenwerten von über 20 Prozent. Zwar kann generative künstliche Intelligenz diesen Druck teilweise abfedern, weil sie Routineaufgaben übernimmt und Prozesse effizienter macht. Als vollständiges Gegenmittel taugt sie jedoch nicht. Im Gegenteil: Wenn klassische Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden, verlieren Berufseinsteigende und Quereinsteigende wichtige Lerngelegenheiten, über die sie bislang bankfachliches Verständnis aufgebaut haben.
Für Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken verschiebt sich damit die zentrale Frage: Es geht nicht mehr nur darum, offene Stellen schneller zu besetzen, sondern neue Talentprofile wirksam in Bankorganisationen zu integrieren.
Eine zentrale Antwort ist die gezielte Einstellung von Quereinsteigenden ohne klassische Bankausbildung – etwa in IT, Compliance, Advertising and marketing oder Human Sources. Gerade dort sind spezialisierte Fachkompetenzen oft wichtiger als eine traditionelle Bankenlaufbahn. Damit diese Mitarbeitenden jedoch wirksam arbeiten können, brauchen sie ein solides Grundverständnis von Geschäftsmodellen, Prozessen, regulatorischen Anforderungen und Steuerungslogiken im Banking. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld, das sowohl die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden als auch die Effizienz der Organisation beeinträchtigen kann.
Ein zentrales Drawback liegt darin, dass ohne solides Grundlagenwissen zentrale Zusammenhänge im Banking nicht vollständig erfasst werden können. Dies führt in der Praxis zu suboptimalen Arbeitsergebnissen. Zwei Beispiele verdeutlichen die Problematik:
- Im Compliance-Bereich einer Financial institution sind Mitarbeitende ohne bankfachlichen Hintergrund, bspw. Historiker im Bereich Geldwäscheprävention, oft in der Lage, einzelne Bedrohungsszenarien zu analysieren, können diese jedoch nur schwer in den Gesamtzusammenhang bankinterner Prozesse und regulatorischer Anforderungen einordnen. Dadurch bleiben Risiken unter Umständen unvollständig bewertet.
- IT-Spezialisten nehmen immer öfter eine Schlüsselrolle in der digitalen Transformation von Banken ein. Bei der Anwendung agiler Arbeitsmethoden wie Scrum sind sie gefordert, eng mit den verschiedensten Fachbereichen einer Financial institution zusammenzuarbeiten. Ohne ein grundlegendes Verständnis bankfachlicher Begriffe und Prozesse wird die Kommunikation allerdings erschwert. Diskussionen bleiben oberflächlich, Anforderungen werden missverstanden, und die Qualität der entwickelten Lösungen kann daraus resultierend leiden.
Die Folgen solcher Defizite sind weitreichend. Führungskräfte sehen sich mit ineffizienten Arbeitsprozessen und nicht zufriedenstellenden Ergebnissen konfrontiert, während Mitarbeitende selbst Frustration erleben, da sie den Erwartungen nicht gerecht werden können. Im schlimmsten Fall führt dies zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Angesichts der hohen Kosten für Personalgewinnung und Einarbeitung sowie des anhaltenden Fachkräftemangels ist dies eine Entwicklung, die sich Banken nicht leisten können.
Resultierend aus diesen Herausforderungen steigt die Notwendigkeit für ein strukturiertes und zugleich praxisnahes Weiterbildungsprogramm für Quereinsteigende in Banken: einem Grundlagenprogramm „Banking for Non-Bankers“. Ziel eines solchen Programms sollte es sein, Quereinsteigenden das notwendige Basiswissen zu vermitteln, ohne sie dabei aus ihrem Arbeitsalltag herauszulösen. Es sollte berufsbegleitend und möglichst flexibel gestaltet sein.
Didaktisch lässt sich dieses Konzept im sogenannten T-Modell des Wissens verorten. Während die vertikale Achse die individuelle fachliche Spezialisierung eines Mitarbeitenden abbildet, steht die horizontale Achse für ein breites Grundverständnis angrenzender Themengebiete. Genau diese horizontale Dimension wird durch ein solches Banking-Grundlagenprogramm gestärkt.
Erfahrungen aus bestehenden Lernformaten zeigen, dass sich in diesem Kontext ein Umfang von etwa sechs inhaltlichen Modulen anbietet, die idealerweise durch kontinuierliche Lernfortschrittskontrollen ergänzt werden. Typische Themenbereiche umfassen dabei Inhalte wie beispielsweise:
- Institutionelle Grundlagen des Bankenmanagement
- Aufsicht, Governance und Compliance
- Bankbilanzierung
- Rentabilitätsmanagement
- Risikomanagement
- Megatrends im Banking, wie z.B. ESG und KI
Wichtig ist im Zuge der Wissensweitergabe eine hohe Praxisnähe, um den schnellen Switch in den Arbeitsalltag zu erleichtern. Interaktive Formate, Fallstudien und kurze Quizze tragen dazu bei, das Gelernte nachhaltig zu verankern.
Darüber hinaus sollte ein Grundlagenprogramm nicht isoliert betrachtet werden, sondern als integraler Bestandteil einer umfassenden „Studying Journey“. In einem modular aufgebauten Weiterbildungskonzept kann es als erste inhaltliche Weiterbildung dienen, auf der weitere vertiefende Inhalte aufbauen. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl die Breite als auch die Tiefe des Bankmanagement-Wissens abdeckt.
Die Vorteile eines solchen Programms sind vielfältig. In erster Linie verbessert sich die Qualität der Arbeitsergebnisse, da Mitarbeitende Zusammenhänge besser verstehen und fundiertere Entscheidungen treffen können. Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit auf beiden Seiten. Führungskräfte profitieren von leistungsfähigeren Groups, während Mitarbeitende mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in ihrer Rolle gewinnen.
Nicht zuletzt trägt ein strukturiertes Talent-up-Programm maßgeblich zur Mitarbeiterbindung bei. Wer sich verstanden, gefördert und befähigt fühlt, bleibt seinem Arbeitgeber treu. In Zeiten knapper Fachkräfte ist dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Integration von Quereinsteigenden ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Personalstrategien im Banking. Damit diese Strategie jedoch nachhaltig erfolgreich ist, braucht es gezielte Investitionen in Weiterbildung. Ein kompaktes, praxisnahes Grundlagenprogramm „Banking for Non-Bankers“ ist dabei kein „Good-to-have“, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
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Theresa Treiber ist Managerin und Dr. Dirk Holländer ist Knowledgeable Accomplice bei der zeb Enterprise College. zeb consulting gehört zu den Premium-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Premium-Accomplice-Modell erfahren Sie hier. zeb consulting gehört zu den Content material-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Content material-Accomplice-Modell erfahren Sie hier.